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Einer dieser ganz besonders schönen Tage...

Beitrag von André Schürrle am Di 26 Aug 2014 - 22:05

Das Spiel war an André irgendwie vorbeigerauscht, ohne dass er es großartig hätte ändern können. Er hatte gekämpft und gekämpft und gekämpft, bis er nicht mehr gekonnt hatte und dann noch ein bisschen mehr. Und was hatte es gebracht? Nichts. Der Schlusspfiff ertönte und machte aus dem Ergebnis eine traurige Gewissheit: 0 zu 2 gegen Portugal. Verloren. Sie hatten wirklich verloren. Dass das nicht sofortiges Ausschieden hieß, das war für André im Moment kein Trost. Sein Blick glitt zu Miro, der ihren Teamarzt zu sich rief und verletzt war. Zu Per und Mats, die sich anzukeifen schienen. Zu Manu, der noch im Tor stand. Sie hatten wirklich verloren. Erst jetzt gestattete er seinen zitternden Knien wirklich nachzugeben, während sein Gesicht wie eingefroren wirkte.
Nicht weit von ihm entfernt feierten die Portugiesen und Ronaldo versuchte Fairness zu beweisen, in dem er Hände schüttelte und zu einem guten Spiel gratulierte. Ein gutes Spiel, nein, das war es wirklich nicht gewesen. Er hatte kein Tor schießen können, dabei hatte es genug Chancen gegeben. Aber der Ball wollte einfach nicht rein. Wobei das eine falsche Denkweise war, es klang, als wäre der Ball an seinem Versagen Schuld. Das war in Andrés Augen genauso falsch, wie zu sagen, die Mannschaft hatte versagt. War es nicht so, dass sein Fuß am Ball gewesen war?

Wie in Trance beobachtete er, wie die meisten der deutschen Spieler sich zurückzogen, brachte aber erschreckenderweise für einen Moment tatsächlich nicht die Kraft auf, sich selbst hochzuhieven. Plötzlich schien alles keinen Sinn mehr zu machen. Er konnte genauso gut einfach… Bevor André auch nur den Gedanken zu Ende denken konnte, hatte ihn einer seiner Mannschaftskollegen auf die Beine gezerrt und schob ihn einfach mit. Dabei hatte André noch nicht einmal die Kraft aufzusehen, wer sich da seiner erbarmt hatte.

Und dann? Dann stand er plötzlich vor einer Kamera ohne wirklich zu wissen, wie er dort hingekommen war. Aber da stand ein Mensch vor ihm und ein Mikro war vor seiner Nase und dann kamen sie, die Fragen, die er sich selbst auch schon die ganze Zeit stellte und auf die er keine Antwort fand. „Herr Schürrle, sie waren bei der Weltmeisterschaft so gut und heute haben sie keinen Ball versenkt, woran liegt das? Denken sie, dass das der erste Schritt in Richtung Ausscheiden war? Kann die Mannschaft denn nach einer solchen Niederlage überhaupt noch einmal zurückkommen?“
Was sollte er darauf nur antworten? Der 25-Jährige öffnete den Mund, nur um ihn gleich darauf wieder zu schließen ohne auch nur einen Ton herausgebracht zu haben. Versuch zwei ließ ihn immerhin nicht wie einen Fisch aussehen, artete aber in hilfloses Gestammel aus: „Ich… Wir… Ich glaube… Also… Das eben…“ Nicht viel besser. Und dann brach es auf einmal alles aus ihm heraus: die Wut, die Enttäuschung, der Frust, die Selbstzweifel. Er begegnete direkt dem Blick des Reporters und damit auch der Kamera als er ein nicht zurückzuhaltendes „Was genau wollt ihr denn darauf hören?! WAS GENAU?! Könnt ihr uns eigentlich nicht einmal in Ruhe lassen?!“ hervorstieß.


Zuletzt von André Schürrle am So 31 Aug 2014 - 17:14 bearbeitet, insgesamt 1 mal bearbeitet

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Re: Einer dieser ganz besonders schönen Tage...

Beitrag von Manuel Neuer am So 31 Aug 2014 - 14:02

Nach solchen Spielen klang der grelle Schlusspfiff des Schiedsrichters in Manus Ohren stets wie eine traurige Gewissheit ihres Versagens. Der Frust, der sich bereits nach dem ärgerlichen Elfmetertor in ihm manifestiert hatte, wuchs ins Unermessliche, als er sich energisch die Klettverschlüsse seiner Handschuhe aufriss und sie achtlos auf den grünen Rasen pfefferte. In seinem Blick lag Fassungslosigkeit, als er die große Anzeigetafel des Stadions eindringlich musterte, als könne er das dort angezeigte Ergebnis durch pure Willenskraft auslöschen oder verändern. Doch die traurige Gewissheit blieb, prangte groß auf dem LED-Bildschirm - GERMANY 0 - PORTUGAL 2. "So'n Scheiß!", fluchte er. Das hatte raus gemusst, obwohl er niemanden konkret damit angesprochen hatte. Sein kurzes Gebrüll galt einfach der Allgemeinheit, dem Fußballgott und den höheren Mächten, die heute dafür gesorgt hatten, dass er gleich zweimal hatte hinter sich greifen müssen. Dabei war Portugal doch grundsätzlich ein Gegner, gegen den sie in den letzten Jahren immer ordentlich gespielt hatten. Er sah die Presseschlagzeilen bereits vor sich. In Frankreich endet Deutschlands Siegesserie gegen Weltfußballer Cristiano Ronaldo - bedeutet das ein Ausscheiden in der Vorrunde?.

Dass sie natürlich noch eine reelle Chance besaßen, weiterzukommen, wusste Manu. Trotzdem standen sie jetzt mit dem Rücken zur Wand und waren gegen Kroatien in der Pflicht, gewinnen zu müssen. Dass dies nicht unbedingt einfach werden würde, gegen die starken Kroaten, die mit viel Qualität bisher hier in Frankreich aufgespielt hatten, siegreich aus der Partie zu gehen, war fast überflüssig zu erwähnen. Seufzend verdrängte Manu diese grüblerischen Gedanken, wandte sich um und fischte Wasserflasche, DFB-Handtuch sowie die weggeworfenen Handschuhe vom Boden. Wenn er sich den Rest seiner Teamkollegen so ansah, schien er wohl zurzeit der einzige zu sein, der sich um das nächste Spiel sorgte. Manu dachte gern an die Konsequenzen, die nächsten Schritte und gerade in Turnieren hatte ihm das schon oft geholfen, wie er festgestellt hatte. Der Rest schien sich allerdings noch sehr im Hier und Jetzt aufzuhalten. Miro saß mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Feld und ließ sich von MüWo behandeln. Per und Mats warfen sich gegenseitig Beschuldigungen über ihre heutigen Leistungen an den Kopf. Unter anderen Umständen hätte er den Teamkapitän mit Sicherheit zur Ruhe zu bringen versucht, doch nachdem Roman von der Bank aufgesprungen war, um einzuschreiten und Robin sich um den Dortmunder Abwehrspieler kümmerte, entschloss er sich dagegen. Im Moment hatte er keine Lust, sich darüber Gedanken zu machen. Die waren erwachsen, die bekamen das auch alleine hin.

Also stapfte er mit gesenktem Kopf und zügigem Schritt zum Spielfeldrand und Spielertunnel, lediglich in der Nähe der Mittellinie von Ronaldo aufgehalten, der ihm die Hand hinhielt, um ihm zu einem 'guten Spiel' zu gratulieren. So viel musste Manu dem Stürmer, gegen den er nun schon unzählige Male im Tor gestanden hatte, lassen - er war ein wirklich fairer Sportsmann. Mit einem müden Lächeln bedankte er sich, klatschte den Ballkünstler ab und setzte danach seinen Weg zielstrebig fort. Kurz vor dem Eingang in die Katakomben ließ er sich von einem Zeugwart seine Utensilien abnehmen, schnappte sich eine frische Pulle mit Wasser, aus der er sich einen großen Schluck genehmigte, und schlüpfte schließlich aus seinem verschwitzten Trikot, woraufhin ein farblich passendes, dunkelgraues Unterhemd zum Vorschein kam. Ein paar Momente später wurde er bereits vor eine Werbewand gelotst, vor der er sich etwas hilflos umsah. Eigentlich hatte er gerade gar keine Lust auf eine Analyse eines Journalisten, räusperte sich aber dennoch, fuhr sich durch das kurz geschnittene Haar und wartete auf einen Herren von der Presse, um Ruhe und Gelassenheit bemüht.

Noch hatte sich keiner erbarmt, ihn anzusprechen, als er neben sich ein nicht wirklich begeistertes Gebrülle vernahm. Der Gelsenkirchener warf einen Blick nach rechts und erblickte die blonde Haartolle von André Schürrle, der gerade in ein Mikrofon schimpfte und fluchte. Manu musste ein Grinsen unterdrücken. Er hatte die Frage vom Journalisten nicht mitbekommen, die Reaktion des Stürmers kam allerdings schon fast an Pers Ausraster vor zwei Jahren heran. Doch zu André schien das so gar nicht zu passen; normalerweise kannte Manu seinen Teamkollegen als jemanden, der jedes Wort, jede Silbe bei einem Interview abwog und über seine Aussagen nachdachte. Insofern entschloss der Torwart sich spontan dazu, sich neben André vor die Kamera zu schleichen, den Jüngeren bestimmt, aber beruhigend an den Schultern zu packen und dem Interviewer eine kurze Entschuldigung entgegen zu murmeln. "Hey, pass' bloß auf, was du sagst, ja?", raunte er dem Londoner Spieler zu, überließ es aber nach wie vor ihm, das Gespräch vor der Kamera möglicherweise abzubrechen.

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Re: Einer dieser ganz besonders schönen Tage...

Beitrag von André Schürrle am So 31 Aug 2014 - 15:29

Noch bevor André den Satz beendet hatte, wusste er, dass es ein Fehler gewesen war. Ein riesengroßer Fehler! Hatte ihm Mourinho denn nicht damals schon beigebracht, wann es besser war den Mund zu halten? Oder wie man sich diplomatisch ausdrückte, auch wenn man dem Anderen am liebsten eine verpassen wollte? Aber dieses Wissen half ihm gerade herzlich wenig. Er merkte, wie er immer noch kochte und gleichzeitig beinahe daran verzweifelte, eine Antwort zu finden, die alles wieder hinbiegen konnte. Alles, was er seinem Gehirn noch entlocken konnte, war ein ’Mach heute mal ohne mich’ und so musste er wohl oder übel die Antwort schuldig bleiben. Warum zum Teufel konnte ihre Pressesprecher sie nicht einmal für solche dämlichen Situationen ausreichend vorbereiten? Er wusste, dass er irgendjemandem bestimmt gerade Unrecht tat, aber so ganz wollte er den Gedanken nicht zulassen. Sie bekamen doch sonst immer alles vorgekaut, warum konnte man ihnen nicht einmal sagen, wie man solche lästigen… wie man Reporter schnell los wurde? Irgendwie hatte diese Situation schon eine gewisse Ironie, die der Chelsea-Spieler jetzt aber bei Weitem nicht zu schätzen musste.

Die Schulter hochgezogen, die Hände zu Fäusten geballt und die Nerven zum zerreißen gespannt, öffnete er noch einmal den Mund, um anzusetzen, auch wenn er wusste, dass garantiert nichts Vernünftiges dabei rumkommen würde, als er plötzlich spürte, wie er an der Schulter gepackt wurde. Keine zehn Sekunden später hatte sich Manuel ebenfalls vor die Kamera geschoben und stand jetzt dicht neben ihn. Mit ein paar ruhigen Worten schaffte es ihre Nummer Eins, den Reporter eine Entschuldigung zukommen zu lassen und ihm gleichzeitig eine Warnung ins Ohr zu raunen, was André sich noch mehr verspannen ließ, ehe er sich mit aller Mühe darum bemühte nicht komplett auszuticken, sondern stattdessen seinen Frust irgendwie runterzuschlucken. Könnten Blicke töten, würde der Reporter vor ihm wohl immer noch tausend qualvolle Tode sterben, aber wenigstens schaffte er es, seine Fäuste zu öffnen und Manuel ein kleines, kaum merkliches Nicken zu schenken, um ihm zu signalisieren, dass er verstanden hatte. Es war jedoch der Blick dabei, den er ihrem Keeper zuwarf, der wohl gleich mitvermitteln sollte, dass er ihn jetzt hier bloß nicht alleine stehen lassen sollte.

Halb hoffte André sogar, dass ihr Gegenüber es verstanden hatte und sie jetzt in Ruhe ließ. Das wäre dann wenigstens kein katastrophales Ende für dieses nicht wirklich glorreiche Interview und er könnte gehen. Aber schon im nächsten Moment, als der Reporter wieder seinen Mund öffnete, wusste er, dass es eine vergebliche Hoffnung war. Eigentlich hätte er damit rechnen müssen, kannte er doch Pers Interview von vor zwei Jahren nur zu gut. Schon damals hatte ihr ‚Freund’ nicht aufgegeben und immer weitergebohrt. Glücklicherweise stand aber ein Manuel Neuer neben ihm und der schien plötzlich viel interessanter als er selbst zu sein. André war sich bewusst, dass die Kamera noch immer auf ihn selbst gerichtet war, doch zumindest die Fragen wurden jetzt an den Riesen neben ihn adressiert. „Manuel Neuer, wie würde sie das Spiel einschätzen? Wo genau lagen die Schwächer der Mannschaft heute? Im Sturm? Im Mittelfeld? Welche Torchancen hätten unbedingt verwandelt werden müssen?“

Und das war’s! Jede ansatzweise Ruhe, um die Andé gekämpft hatte, viel von ihm ab und das „Absoluter Vollidiot!“ hatte seine Lippen verlassen, bevor auch nur irgendjemand etwas dagegen hatte unternehmen können. Glücklicherweise war es wenigstens so leise gewesen, dass die Kamera wohl kaum in der Lage gewesen war, es aufzufangen, aber so genau konnte man das ja nie wissen. Jetzt half nur eines: Flucht. So schnell es nach diesen anstrengenden 90 Minuten noch möglich war, drehte sich der 25-Jährige um, schüttelte Manus Arm ab und stürmte in die Katakomben. Es war ihm egal, wer ihn jetzt sah, er wollte einfach nur noch weg, lief an ihrer Umkleide vorbei, tiefer in die nur spärlich beleuchteten Gänge, bis der Stadiumslärm und die Gesänge der Portugiesen endlich verstummten. Erst dann verlangsamte er das Tempo und schlug in einem Anfall von unnatürlicher Dämlichkeit, wie ihm später wohl bewusst werden dürfte, einmal heftig auf die nächste Wand ein. Heute lief doch wirklich alles scheiße!


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Re: Einer dieser ganz besonders schönen Tage...

Beitrag von Manuel Neuer am Mo 1 Sep 2014 - 0:02

Über die Jahre hinweg hatte Manu sich sowohl in Bayern, als auch in der Nationalmannschaft den Ruf erarbeitet, ein umgänglicher und grundsätzlich ziemlich lockerer Interviewpartner zu sein, dem höchstens noch von Fipsi der Rang in puncto Höflichkeit abgelaufen werden konnte. Lediglich bei allzu blöden Nachfragen ließ es auch der Gelsenkirchener darauf ankommen, den Reportern mehr oder weniger witzige Sprüche an den Kopf zu werfen, mit denen die werten Herren von der Presse meist nichts anzufangen wussten. Doch mit großen medialen Ausrastern hatte er in seiner bisherigen Laufbahn ziemlich gegeizt. Ganz im Gegensatz zu manch anderen Vertretern seiner Zunft - wenn man da an Olli Kahn oder Jens Lehmann dachte, hatten diese ja schon während ihrer aktiven Laufbahn für einige Wirbel gesorgt. Manu hingegen war glücklich darüber, sich zumindest bis jetzt den Medienvertretern ruhig und besonnen verhalten zu haben. Das allerdings schloss ja nicht aus, dass so manch genervter Spieler ihm durchaus aus der Seele sprach. Pers Worte nach dem Algerienspiel vor zwei Jahren hätten sofort seine Zustimmung erhalten.

Und so ging es ihm auch jetzt, konnte er Andrés Wut durchaus nachvollziehen. Gerade so kurz nach einem Spiel, bei dem sie trotz aller Anstrengungen eine Niederlage kassiert hatten. Noch dazu besaß er als Torhüter wiederum einen anderen Blick aufs Spielgeschehen, als einer der Feldspieler. Schließlich war er nicht gerade 90 Minuten lang herumgerannt und hatte vergeblich versucht, den Ball im gegnerischen Tor zu versenken, sondern wurde körperlich in nur wenigen Momenten wirklich gefordert. Von der mentalen Leistung mal abgesehen, fühlte sich der Gelsenkirchener zumeist nach einem Spiel ausgelaugt und praktisch hirntot. Insofern hielt er intensive Emotionen durchaus für angebracht, wenn nicht gar für ziemlich normal. Warum er dennoch dazwischen gegangen war und dem armen Reporter einen Wutausbruch des Londoner Spielers erspart hatte, lag zunächst erstmal daran, weil ihm der Mann hinter der Kamera ein klein wenig Leid tat. Schließlich erledigte der auch nur seinen Job, so undankbar es auch sein musste, verschwitzte, demotivierte, ausgepowerte Leistungssportler in halbwegs sinnvolle Gespräche verwickeln zu müssen. Hinzu kam, dass es jetzt eh nichts half, den ganzen Frust nach dem zweiten vergeigten Gruppenspiel mit der Weltöffentlichkeit zu teilen. So etwas gehörte in eine Mannschaftsbesprechung, nicht vor eine Fernsehkamera - und Kloppo würde ihnen mit Sicherheit noch früh genug die Leviten lesen.

Manu erwiderte das stumme Nicken seines Teamkollegen und rang sich ein halbwegs breites Lächeln ab, dass hoffentlich sowohl aufmunterte, als auch beruhigte. Zumindest spürte er, dass André sich zumindest bemühte, seinen Zorn anders abzubauen, als verbal, schien sich jeder Muskel an ihm zu verkrampfen und anzuspannen. Wenigstens die Fäuste öffnete er nach einigen Sekunden, was der Torwart mit einem glücklichen Blick goutierte. Als dann die Frage plötzlich an ihn gerichtet wurde, blickte auch er kurz verdutzt aus der Wäsche, war die Frage schon von einer frechen und beinahe entwaffnenden Ehrlichkeit geprägt. Er schnappte kurz nach Luft, rang mit sich, die Fassung zu behalten, schließlich brachte es gar nichts, wenn er nun auch noch damit anfing, auszuticken, und atmete tief durch, fühlte sich anschließend jedoch wieder dazu in der Lage, vernünftig zu antworten. Dass es André dort anders ging, verriet der leise, an den Reporter gerichtete Fluch sowie seine überhastete und abrupte Flucht vom Geschehen. Kurz blickte Manu seinem Teamkollegen nach, betete instinktiv, dass die Mikrofone das Vollidiot nicht registriert hatten, bevor er sich wieder darauf besann, dass man ihm gerade eine Kamera ins Gesicht hielt.

Welche Torchancen hätten unbedingt verwandelt werden müssen? Manu ließ ein kehliges, humorloses Lachen hören. "Joa, ich denke, man sollte grundsätzlich so viele Chancen wie möglich nutzen, das ist uns heute nicht gelungen, ich denke, ich will da aber auch niemandem direkt die Schuld geben. 's ist natürlich immer ärgerlich, auch so'n Elfmetertor und wir müssen uns jetzt konzentrieren und uns gegen Kroatien vorbereiten, um nicht aus dem Turnier zu fliegen." Er machte bereits Anstalten, zu verschwinden, bevor der Fragensteller überhaupt dazu kam, sich bei ihm zu bedanken. Es war auch nicht unbedingt die feine englische Art, direkt nach einem Interview das Weite zu suchen, allerdings erforderten ungewöhnliche Situationen eben auch mal seltsame Maßnahmen. Entsprechend lief Manu keine halbe Minute später suchend durch den Spielertunnel, immer wieder den Namen seines Mannschaftskameraden rufend.

"André?"
In der Umkleide steckte der Londoner nicht und in Richtung des Spielfelds war er gerade eben nicht gelaufen, entsprechend blieb nur noch der Weg tiefer in die Katakomben des Stadions hinein, den Manu nun zielstrebig entlang ging. Es dauerte ein paar Minuten, ehe er die vertraute Silhouette des anderen Spielers erblickte, der sich mit schmerzverzerrtem Gesicht die Hand hielt. "Hey, André." Besorgnis schwang in seiner Stimme mit, als er seinen Gegenüber musterte. "Alles okay? Mach' dir nix aus dem blöden Pressefutzi, der hat sowieso keine Ahnung." Er zog die Augenbrauen zusammen, legte André erneut einen Arm um die Schultern, ehe er auf die Hand seines Gegenübers deutete. "Was ist mit deinen Fingern passiert?"

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Re: Einer dieser ganz besonders schönen Tage...

Beitrag von André Schürrle am Mo 1 Sep 2014 - 18:52

Manu erwiderte das Nicken und André stieß die Luft aus, als ihm klar wurde, dass ihr Keeper ihn verstanden hatte. Mit Bewunderung verfolgte er, wie sich Manu zuerst ein Lächeln abrang, dann versuchte die Fassung zu behalten. Etwas, das ihm im Gegensatz zu André auch tatsächlich gelang. Der Chelsea-Spieler hatte einen Moment lang ein schlechtes Gewissen, als er ihre Nummer Eins so plötzlich alleine da stehen ließ. Waren doch die Fragen eigentlich an ihn gerichtet gewesen. Wäre er professionell genug gewesen, hätte er es gemacht wie Manu, dann hätte er gelächelt und eine Antwort gefunden. Manus humorloses Lachen war das letzte, das er hörte, ehe er abtauchte, einfach nur weg wollte. Wie ehrlich würde Manuel wohl sein? Würde er aussprechen, was André dachte? Dass er mindestens ein Tor hätte machen können, wäre er nur einen Ticken schneller gewesen? Dass die Pässe von ihm zu ungenau gewesen waren? Dass er Bastis Pass hätte erwischen können, hätten sie besser harmoniert? Vermutlich nicht, immerhin war es Manu. Manu würde nie jemanden aus der Mannschaft bloßstellen. Nein, das war Jürgens Job in der Analyse, die vermutlich gleich folgen würde und alleine bei dem Gedanken daran wurde ihm schon schlecht.

Der Schmerz in seiner Hand setzt nicht sofort ein, noch war die Wut stärker und auch wenn er Manu schon seinen Namen rufen hören konnte, hatte André sich immer noch nicht genug unter Kontrolle, um einen zweiten Schlag zu verhindern. Hörte danach letztlich nur auf, weil er sah, dass er sich die Knöchel blutig gerissen hatte, nicht weil es weh tat. Um zu begreifen, dass das ebenfalls der Fall war, brauchte er weitere 20 Sekunden. 20 Sekunden, in denen er seine Hand schützend vor seine Brust packte, als ob jemand anderes für diese Schmerzen verantwortlich wäre. 20 Sekunden, in denen er Manuels Silhouette auf sich zukommen sah und der Keeper ihn tatsächlich gefunden hatte. Schon im nächsten Moment hatte er wieder einen Arm um die Schultern und wusste nicht so ganz, was er damit machen sollte. Andrés erster Impuls war, den Arm abzuschütteln und weiterzutoben, Manu anzuschreien, seiner Wut, seiner Enttäuschung Luft zu machen. Aber es war die Besorgnis in der Stimme des Torhüters, die ihn innehalten und denken ließ. Glücklicherweise erinnerte er sich daran, dass das hier Manu war. Manu, der auch ein Scheißspiel hinter sich hatte und im gleichen Boot saß. Manu, der bestimmt nicht minder schlecht gelaunt war, es nur einfach zu verbergen wusste. Manu, der ihn vermutlich gerade vor einer riesengroßen Dummheit bewahrt hatte.

Kaum hatte dieser Gedanke sich durchgesetzt, da schien es endgültig vorbei zu sein mit dem Kampfgeist und André ließ sich müde gegen den Keeper sinken, drückte ihn dabei ein wenig gegen die Wand, hätte sich vermutlich am liebsten zu Boden sinken lassen. Manuels Frage war es, die ihn wieder auf seine Hand blicken ließ. „Meine Finger?`… Oh!“ Richtig, da war was gewesen. Vorsichtig versuchte der Blondhaarige seine Hand zu bewegen, zog scharf die Luft ein, als sie aufgeschürften Stellen brannten, konnte aber ansonsten keinen Schaden feststellen. Er ließ seinen Blick zu der Wand wandern, die Schuld daran war, ehe er mit den Schultern zuckte. „Ich… Ist nicht schlimm.“ Und das war es auch. Im Vergleich zu dem verlorenen Spiel war das gar nichts. Jetzt mussten sie gegen Kroatien spielen. Und die Kroaten waren stark bisher. Besser, als man es für möglich gehalten hatte. Das würde nicht leicht werden. André wandte endlich den Blick von seiner Hand ab und schaute Manu an, auch wenn er es nicht ganz fertig brachte ihm in die Augen zu blicken. „Es tut mir Leid… wegen eben. Ich hätte dich da nicht so stehen lassen dürfen. Danke, dass du dazugekommen bist.“

André löste sich von ihrer Nummer Eins, auch wenn er am liebsten noch eine Weile so angelehnt gestanden hätte. Manus Arm um seinen Schultern gab ihm das Gefühl, dass alles gut werden würde. Ein Gefühl, das er herbeisehnte, sobald er etwas Abstand zwischen sie gebracht hatte, nur um gleich darauf an der Wand herunterzurutschen. Für einen kurzen Moment schloss André die Augen, ehe er ihren Torhüter von unten anblickte. „Scheiße Manu, wir haben verloren!“ Er hatte es nicht aussprechen wollen, denn das machte es nur noch realer, aber irgendwie konnte er nicht anders. Dann versuchte sich der Mittelfeldstürmer an einem Lächeln, was allerdings mehr einer Grimasse glich. „Du hast gut gespielt, ohne dich wären wir noch schlimmer dran gewesen. Dann hätten sie uns vollkommen platt gemacht!“

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